Hier sagen die Uralt-Ultras ihre Meinung, unabgesprochen und eigenverantwortlich!

Happos Westkurve die 105.te

Veröffentlicht am 16.05.2017

Jetzt ist die Zeit der Entscheidungen. Die Fußballsaison neigt sich dem Ende entgegen.
Einige Mannschaften wirken kraftlos, andere feiern ihre Siege oder gar Aufstiege überschwänglich. Wie nach einer Wahl, mit dem Unterschied, dass man als Fan seinem Verein nur einmal seine Stimme geben kann und ihm Treue schwört, bis ans Lebensende. Ich weiß´, sowas in der Art wird auch bei der Eheschließung bedeutungsschwanger ins Stammbuch geschrieben. Frag´ nach bei Gerhard Schröder oder Joschka Fischer.
Den Sieg gegen Rot-Weiß Oberhausen vor stattlicher Kulisse, habe ich zwar nicht frenetisch bejubelt, aber zufrieden mit dem Dargebotenen war ich allemale. Es war ein unterhaltsames Spiel, wobei die Essener rot und weißen nicht die bessere, wohl aber die effektivere Mannschaft war.
Einige der vielen jungen und jung gebliebenen Besucher im Stadion dürften, sich mit dem RWE-Virus infiziert haben. Auch Teile der Familie Willmanns aus Altenessen, da bin ich mir ziemlich sicher.
Selbst der ansonsten cool an der Seitenlinie wirkende Sven Demandt, fuchtelte in einigen Szenen wild gestikulierend mit den Armen. Atletico Madrids Trainer, Diego Simeone, wirkt dagegen wie Zen-Mönch.
Unter dem Strich war es ein entspannter Fußballnachmittag in Essen. Welch Unterschied gegenüber der Partie Arminia Bielefeld gegen Braunschweig, die ich mit den „Uralten“ live vor Ort verfolgen durfte. Anspannung pur. Aufstieg oder Abstieg? Das lässt keinen Fußballfan kalt. Diese Nervenbelastung muss ich nicht unbedingt mit Rot-Weiss durchleben, eine souveräne Tabellenführung reicht mir aus. Im Ernst, es fehlt seit ein paar Jahren einfach die reelle Chance, ganz oben mitzumischen. Das macht träge. Selbst das Pokalendspiel gegen den frischgebackenen Zweitligisten MSV Duisburg, hat aufgrund der DFB-Statuten einiges an Reiz verloren. Voll wird es trotzdem im Stadion Essen werden. Dafür sorgt schon alleine die Rivalität der Fanlager beider Ruhrpott-Clubs. Mehr dazu dann an anderer Stelle.
Zuvor muss noch das letzte Regionalligaspiel der Saison 2016/2017 absolviert werden.
Die Partie bei der TSG Sprockhövel interessiert, wenn ich ehrlich bin - und das bin ich - nicht wirklich. Bin ich Statistiker? Platz Fünf ist fix, Sprockhövel definitiv abgestiegen.
Die Spieler werden Verletzungsvermeidungsübungen zelebrieren. Bis auf die sogenannten Wackelkandidaten, welche sich für einen Platz in der Startformation für das Pokalspiel empfehlen möchten. Ich bin sicher, die Verantwortlichen bei RWE werden die abgelaufene Saison sorgfältig analysieren und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Schonungslos, nicht wir es von der Fifa her kennen. Sobald dort jemand der Wahrheit auch nur ansatzweise nahe kommt, wird kurzerhand das (Ethik-) Personal ausgetauscht. Und ausgerechnet dieser „Laden“ wirbt mit Video-Clips für mehr Respekt. Infam, Infantiono. Donald Trump lässt grüßen. Auch DFB-Boss Grindel bewies einmal mehr, welch Könner er in der Disziplin Funktionärs-Slalom doch ist. Dieser Zick-Zack-Kurs ist für mein Empfinden einfach nur peinlich.
Bleibt anständig! Wenn nicht ihr, wer denn sonst?!
Auf dass RWE die Saison anständig zu Ende bringt.
Auf Wiedersehen.

der Happo

Der Artikel erschien unter dem Titel "Die letzten RWE - Spielzeiten machten träge " in der WAZ und NRZ, Lokalteil Essener Sport

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Happos Westkurve die 104.te

Veröffentlicht am 09.05.2017

Die Freude war groß, als vor gut zwei Jahren der große DFB die Nachwuchsarbeit an der Seumannstraße zertifizierte;
eine Auszeichung, auf die man gerade als Viertligist stolz sein darf. Investiere in die Jugend - und irgendwann profitiert man davon.
Doch die Entwicklung scheint in die andere Richtung zu gehen. Der (vermeidbare?) Abstieg der U19 aus der Bundesliga, der drohende Absturz der U17, vor allen Dingen aber fehlendes hochqualifiziertes Personal im Jugendbereich, zeichnen derzeit ein düsteres Bild vom einstigen Prunkstück der Rot-Weissen. Bezeichnenderweise laufen die Nachwuchskicker wie auch das Seniorenteam ohne Trikotwerbung auf. Eigentlich kein Drama, aber ein Indiz dafür, wie schwer es ist, erfolgreiche und professionelle Arbeit zu finanzieren.

Umso bitter empfand ich die saustarke Vorstellung des ehemaligen RWE-U19 Talentes, Bah-Traore, im Trikot von Wattenscheid 09 gegen unsere „Erste“. Was ist da schief gelaufen, dass wir so einen Jungen laufen lassen? Doch können wir Fans unsere Hände in Unschuld waschen? Sind wir nicht auch oft zu ungeduldig, damit sich der Nachwuchs entsprechend entwickelt? Andererseits, die Kritik war groß, als Spieler wie Kwadwo oder Ivan in der Winterpause den Verein wechselten bzw. wechseln mussten. Kwadwo hat bei Schalkes U23 noch nicht eine Minute in einem Pflichtspiel mitgewirkt und auch Andreas Ivan reißt in Wuppertal keine Bäume aus. So oder so ist nicht nur RWE auf ein erfolgreiches Scouting angewiesen. Otto Rehagel´s Kompetenz in Frage zu stellen, kommt einer Majestätsbeleidigung gleich. Wichtig ist die Leistung, nicht das Alter, da kann ich nur nicken.
Doch aufgrund der U23-Regelung stimmt die Aussage, übertragen auf Rot-Weiss Essen, nur bedingt. Die Leistungsträger, das Korsett der Mannschaft bleibt in der kommenden Saison erhalten. Auffällig viele dieser Spiele nähern sich der Dreißig oder haben die Dreißig bereits überschritten.( Ach, wie gerne wäre ich noch mal so jung)

Ohne erfahrene Spieler wird es nicht funktionieren, Erfolg zu haben, aber schneller werden sie sicherlich nicht mehr. Und ein Manko der Truppe ist nun mal mangelhaftes Spieltempo.
In einigen Szenen beim Spiel gegen Wattenscheid wurde dies sehr deutlich. Trotzdem, die Leistung insgesamt stimmte. Vor allen Dingen in der zweiten Halbzeit dominierte die Demandt-Elf, hätte einen weiteren Dreier holen können, wäre da nicht die bekannt maue Torausbeute. Wobei ich Surmführer Marcel Platzek von der Kritik herausnehme. Im Gegenteil, der präsentierte sich kurz nach seiner Nasenscheidewand-OP in bestechender Form. Ist halt Spargelzeit. Viele Spiele sind nicht mehr auszutragen. Ist auch gut so, denn viele fitte Spieler stehen nicht mehr zur Verfügung. Essen ist halt ein gefährliches Pflaster. Natürlich wünsche ich allen Verletzten schnelle Genesung. Niemals aufgeben, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Samstag werde ich hoffentlich wieder zahlreichen RWE-Freunden die Hände schütteln dürfen, ganz im Sinne von Innenminister De Maizière.
Wobei mir als Fußball-Fan lieber ist, bekannte wie wildfremde Leute jubelnd nach Toren von Rot-Weiss zu umarmen.

Wir sehen uns,

der Happo

Der Artikel erschien unter dem Titel "Das einstige Prunkstück von RWE zeichnet ein düsteres Bild " in der WAZ und NRZ, Lokalteil Essener Sport

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SG Wattenscheid 09 gegen RWE - Kommentar von Happo

Veröffentlicht am 06.05.2017

Die Fakten:
Endergebnis: 0:0
Halbzeit : 0:0

Tore: zwei auf dem Spielfeld und zahlreiche an den Ein- und Ausgängen
Zuschauer: 2209

Aufstellung: Heller, Huckle, Zeiger, Windmüller, Malura, Meier, Brauer, Baier, Grund (85. Rabihic), Bednarski, Platzek.

Keine Ahnung, wie groß der Unterschied in Bezug auf Höhe des Budgets für die jeweiligen Kader der Vereine tatsächlich ist, sportlich gesehen war es ein Duell auf Augenhöhe, mit Vorteilen für RWE.
So mein Fazit in Kurzform.

Für mich persönlich war es nach der Zwangspause schon ein besonderes Spiel.
Trotzdem, dass Dirty Harry und icke satte 119 Minuten vor dem Anpfiff aus dem keimfreien Luxusschlitten ausstiegen, um den bereits ungeduldig vor dem Lohrheidestadion wartenden Pidder Dahl in den Arm zu nehmen, hat eher nix dem "Ich-kann-es-kaum-erwarten-Syndrom" zu tun.
Doch wie immer, wenn man mit solchen Leuten zusammen kommt, die Zeit vergeht wie im Flug.

Immerhin über 2000 Zuschauer wollten sich das Nachbarschaftsduell (Örtlich wie Tabellarisch) anschauen.
Getränke waren allerdings für lediglich 750 Unentwegte bereitgestellt worden.
Alleine deshalb gibt es einen Punktabzug für Wattenscheid.

Den besseren Start erwischten die Hausherren.
Nach gut einer Viertelstunde hätte es gut und gerne 2:0 für die Hausherren stehen können.
Anschließend übernahm Rot-Weiss das Kommando. Wie sooft in dieser Saison verpufften die Angriffsbemühungen, je mehr man sich dem gegnerischen Tor näherte. Bednarski besaß die größte Einschussmöglichkeit.
Da auch Bochum 6 kein Offensivfeuerwerk ablieferte, spielte sich das Geschehen hauptsächlich zwischen beiden Strafräumen ab.
Langweilig war es trozdem nicht, denn die Zweikämpfe wurden verbissen geführt, geradezu eine Wohlfühloase für unseren Kapitän Benny Baier. Auch Dennis Malura ist immer mitten drin, anstatt nur dabei, sobald der Freundschaftsspiel-Charakter-Modus deaktiviert ist.
Und wenn das nicht reicht, es gibt ja noch den Schiedsrichter.
Ist nicht immer einfach nach der Pfeife einer Pfeife zu tanzen.

Kurz vor der Pause rettete der stark aufspielende Timo Brauer auf der Torlinie.

Die zweiten 45 Minuten gehen, nach holprigen Beginn, eindeutig an Rot-Weiss.
Auch wenn Wattenscheid nicht gänzlich ohne Torgelegenheit war.
Dafür sorgte alleine schon Gino Windmüller mit seinem Aussetzer zum Ende der Partie.
Ärgerlich, auch weil sich die Mannschaft trotz engagierter Leistung nicht belohnen konnte.
Windmüller (vorne wie hinten gefährlich :-) ) und Bednarski verfehlten das Tor äußerst knapp.
Bei beiden Szenen riss es mich vom Sitzplatz, also, einmal mehr, als Sven Demandt von seinem Plastik-Campingstuhl.

Mir hat die zweite Hälfte gut gefallen, ich war angenehm überrascht.
Herausragend einmal mehr Philipp Zeiger, der wohl beste Innenverteidiger der Liga. Timo Brauer ackerte für zwei und auch Benny Baier ist in dieser Form unverzichtbar.
Beeindruckend auch Marcel Platzek, der sich von Minute zu Minute steigerte. Die Nasen-OP scheint auf jeden Fall erfolgreich gewesen zu sein.
Wattenscheids 12-Tore-Mann, Daniel Keita Ruel, wirkte dagegen bieder und weitaus behäbiger, als Essens Torjäger.
Von daher stimme ich mit Sven Demandt überein, kein Interesse an einer Verpflichtung.
Langsame Spieler haben wir schon genug. Klingt hart, doch es ist oft das mangelnde Tempo im Aufbau- und Konterspiel, dass RWE von einer Spitzenmannschaft unterscheidet.

Zwei weitere Essener muss ich noch erwähnen, Haymenn Bah-Traore und Adrian Schneider.
Beide ragten bei der Heimelf heraus.
Vor allen Dingen der junge Bah-Traore zeigte, was für ein Potential in ihm steckt. Technisch ungemein stark, hohes Tempo und eine gewisse Abgezockheit, selbst in kritischen Szenen. Einfach klasse.
Es tut weh, ihn nicht (mehr) im RWE-Dress spielen zu sehen.
Doch hätte er bei "uns" sich so entwickeln können?

Ich sag´ mal, bis später.
Bin froh´, wieder Fußball live vor Ort erleben zu dürfen.

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Happos Westkurve die 103.te

Veröffentlicht am 03.05.2017

Nichts geschieht grundlos. So auch meine Kolumnenpause. Gesundheitliche Probleme zwangen mich, eine Auszeit zu nehmen. Aktuell ist das Thema Doppelpass wieder in aller Munde. Darüber kann ich nur müde lächeln. Neben Personalausweis, Reisepass, Bypass erhielt ich jetzt auch noch einen Implantat-Pass. Endlich habe ich es schriftlich, in mir steckt ein Tier. Genauer gesagt, ein Teil von einem Rind. Wahnsinnig. Gut, dass RWE noch in der Regionalliga spielt und über die Dörfer muss. Satte sechs Spiele habe ich verpasst. Oder habe ich doch nichts verpasst? Da kann man geteilter Meinung sein und eigentlich steht mir nicht zu, über die Qualität zu urteilen, wenn ich gar nicht vor Ort war. Der Pokalsieg in Wuppertal war sicherlich emotional herausragend. Die erste Hälfte beim Auswärtssieg in Köln mit das Beste der gesamten Saison. Hierüber herrscht Einigkeit. Zuletzt sprangen immerhin drei Siege in Folge heraus. Und doch will sich einfach keine Euphorie einstellen. Nein, es wird weiter gemeckert oder gar gepfiffen. Meine Schwestern und Brüder im Geiste sagen klipp und klar, es liegt an der überwiegend langweiligen Spielweise der Mannschaft, es fehlt an Spannung, ernsthaft im Meisterschaftsrennen einzugreifen. Viktoria Köln ist meilenweit enteilt, obwohl Dank der unsportlichsten Regelung schlechthin, trotzdem noch nicht aufgestiegen. Prof. Dog Welling machte nach dem laut Zeitzeugen-Berichten mühevollen Sieg gegen Absteiger Sportfreunde Siegen, einen auf Donald Trump light. „Wenn wir nach zehn Minuten 2:0 führen, hätte keiner etwas gesagt“. Ja wenn. Ach, wenn es doch alles so einfach wäre.
Kann der Vorsitzende nicht per Dekret einen Aufstieg anordnen?
Bei aller Kritik, ob berechtigt oder nicht, mir wurde in den letzten Wochen bewusst, wie sehr ich an diesen Verein hänge. Okay, mal ein wenig Abstand gewinnen, ist gar nicht so schlecht. Aber auf Dauer den Spielen von Rot-Weiss Essen fernzubleiben, und das auch noch freiwillig, kommt für mich nicht in Frage. Zumal alles darauf hindeutet, in der kommenden Saison mit einem verstärkten Kader einen Schritt Richtung Aufstieg anzugehen. Sicherlich kein leichtes Unterfangen, schon aufgrund der begrenzt engen finanziellen Vorgaben. Mag sein, dass ich mir da was in die Tasche lüge, aber was ist das schon gegenüber dem Wahlkampf, wo gelogen wird, bis sich die Plakate biegen. Als RWE-Fan hat man gelernt, sich an Kleinigkeiten zu erfreuen. Chronische Erfolgslosigkeit ist sicherlich nicht erstrebenswert, aber chronischer Erfolg scheint auch nicht der Glücksbringer zu sein. Bayern München ist erneut Deutscher Meister. Na und?
Es hat halt alles seinen Preis. Freitag feier ich mein Comeback im Lohrheidestadion zu Wattenscheid. Da kommt Freude auf. Endlich wieder RWE, endlich wieder die Kumpels und Kumpelinchen treffen. Wenn dann noch Bednarski und Co mindestens einmal mehr als Bochum 6 ins gegnerische Tor treffen, ist die Welt wieder im Lot, für kurze Zeit jedenfalls.
Wichtiger ist allerdings das Spiel der U19 am Samstag gegen den FC Köln. Abstieg aus der Bundesliga oder doch noch Rettung? So oder so wird es Auswirkungen auf die Gesamtentwicklung des Vereins haben, wenn auch keine existenziellen. Daumen drücken ist angesagt, nicht nur für die U19, sondern für alle Menschen mit Kummer und Sorgen.

In diesem Sinne,
auf eine erfolgreiche Zeit.

der Happo

Der Artikel erschien unter dem Titel "Daumen drücken für die U 19 am Samstag!" in der WAZ und NRZ, Lokalteil Essener Sport

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