Hier sagen die Uralt-Ultras ihre Meinung, unabgesprochen und eigenverantwortlich!

Happos Westkurve die 108.te

Veröffentlicht am 04.07.2017

Samstag hatte ich die Wahl zwischen zwei sportlichen Großereignissen: Entweder den Tour-de-France Start in Düsseldorf oder das erste Vorbereitungsspiel von Rot-.Weiss Essen in Rhede live zu verfolgen.
Obwohl ich ein ausgewiesener Radsport-Fan bin, habe ich mich für den sauberen Sport entschieden. Naja, so scheint es jedenfalls. Oder sollte Doping etwa auch im Fußballsport verbreitet sein? Wenn, dann machen das aber nur die Russen, doch nicht wir.
Also ehrlich. Lasst uns lieber über das Spiel gegen den Landesligisten aus Rhede reden.
Die Geschichte ist allerdings schnell erzählt.
Es war ein unterhaltsames Spielchen, mit schön herausgespielten Toren und leichtfertig vergebenen Torchancen. Die Jungspunde präsentierten sich durchweg selbstbewusst und spielfreudig, ebenso Probespieler Marco Müller. Es ging fair auf und außerhalb des Rasens zu. Niemand verletzte sich. Mehr kann man eigentlich zu diesem Zeitpunkt nicht erwarten. Auch wenn der VfL Rhede sportlich klar unterlegen war, zwei Dinge hat er dem RWE voraus; erstklassige Trainingsplätze - von denen kann Kautsch Demandt nur träumen, sowie eine urgemütliche, geräumige Vereinsgaststätte - davon können wir Fans nur träumen. In beiden Fällen sind die Entscheidungsträger des Vereins ausnahmsweise mal nicht schuldig.
Die haben genug andere, wohl auch wichtigere Baustellen abzuarbeiten. Auf der To-do-Liste ganz oben stand die Suche eines solventen Trikotsponsors.
Es wurde absolutes Stillschweigen darüber vereinbart und so verwunderte es nicht, dass bereits einige Tage vor der offiziellen Verkündung durchsickerte, der Sportwettanbieter XTiP mache das Rennen.
Ohh, dachte ich, solide Haushaltsführung mit Glückspielgeld.? Passt das zu Rot-Weiss Essen? Keine Ahnung, aber es hätte schlimmer kommen können.
Seien wir mal ehrlich, es ist (fast) unmöglich, auch nur einen Sponsor zu finden, der ohne Fehl und Tadel daherkommt. Egal ob Banken, Energie-und Chemiekonzerne, Versicherungen, Modehersteller, die Liste ist unendlich. Spiel- und Wettsucht ist ein ernstes Thema, soll keineswegs verharmlost werden. Aber bitte dann auch konsequent dagegen vorgehen und nicht wie Vater Staat noch Millionen damit scheffeln. Ich wette, jede® kennt jemanden, der seit Jahrzehnten zwanghaft immer die gleichen Zahlen tippen muss, weil ja ausgerechnet an diesem Samstag genau diese Kugeln gezogen werden könnten.
Überhaupt, Leute, die ständig den moralischen Finger nach oben gestreckt halten, können keinen Finger für andere krumm machen.
Unabhängig davon, welcher Name auf dem Trikot prangt, fehlt der sportliche Erfolg, werden sich die Mitglieder die Verantwortlichen zur Brust nehmen. Einen Kader zusammen zu stellen ist in gewisser Weise auch ein Glücksspiel, auch hier muss das Risiko abgewogen werden.
Wie bei Daniel Engelbrecht. Doch der trägt das größte Risiko selbst. Ich wünsche ihm einfach nur, dass er die richtige Entscheidung trifft, und zwar für sich. Alles andere wird sich ergeben.

Mittwoch steht das nächste Vorbereitungsspiel auf dem Programm. Gegen den ambitionierten Oberligisten FC Bocholt dürfte es ungleich schwieriger werden, Tore zu erzielen bzw zu verhindern. Das Wetter scheint mitzuspielen und wohl auch ein weiterer Probespieler.
Fred, Langen, tank´ den Mini auf, ich werde Dich nicht alleine fahren lassen.

Sonnige Grüße
der Happo

Der Artikel erschien unter dem Titel "Solide Haushaltsführung mit Glücksspielgeld - passt das? " in der WAZ und NRZ, Lokalteil Essener Sport

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